Erst testen, dann behandeln
So wie das Antibiogramm in der Behandlung bakterieller Infektionen Routine
geworden ist, ist jetzt auch mit einem neuen Testsystem, dem
ATP-Chemosensitivitätstest, das individuelle Ansprechen von Tumoren auf
Zytostatika messbar. Zum einem erlaubt der Test die Vorhersage, welche
Medikamente unwirksam sind und zum anderen, welche das höchste Ansprechen
erwarten lassen. Beispielsweise liegt der richtig-positive Vorhersage- wert für
die Wirksamkeit einer Chemotherapie bei Mammakarzinomen bei 80 % und bei
Ovarialkarzinomen bei 90 %.
Frisches, unbehandeltes Tumormaterial ist Voraussetzung für den
Test
Für den Test benötigen wir frisches Tumormaterial (mindestens 1-3 cm), das
in der Regel bei der Operation des Primärtumors oder durch eine Metastasektomie
gewonnen wird. Auch können Pleuraexsudate oder Aszites für den Test verwendet
werden, wenn sie reichlich Tumorzellen enthalten. Dieses Tumormaterial wird -
unmittelbar intraoperativ - in eine von uns zur Verfügung gestellte Nährlösung
und in einen von uns ebenfalls zur Verfügung gestellten Kühlcontainer gegeben.
Dieser Kühlcontainer wird am Operationstag per Postexpress an unser Berliner
Labor geschickt.
So funktioniert der Testablauf
In unserem Berliner Labor werden die Krebszellen aus der Gewebeprobe
isoliert und kultiviert. Zu jeder Zellkultur werden die ausgewählten Zytostatika
oder auch deren Kombinationen gegeben. Hierbei wird eine Verdünnungsreihe
aufgebaut, so dass auch getestet wird, in welcher Konzentration ein Zytostatikum
noch wirksam ist.
Biochemische Grundlagen des Tests
Lebende Zellen bilden ATP zur Energiegewinnung und tote Zellen können kein
ATP bilden. Sind viele Krebszellen unter den Testbedingungen abgestorben, d.h.
das getestete Zytostatikum oder die getestete Kombination ist wirksam, enthält
die Probe auch wenig ATP. Bei einem unwirksamen Zytostatikum wachsen die Zellen
weiter und bilden weiterhin ATP. Der ATP-Gehalt der einzelnen Kulturen ist also
die Messgröße. Um den ATP-Gehalt in den einzelnen Kulturen messen zu können,
wird ein sog. ATP-Reagenz zu den Zellkulturen gegeben, welches ATP in
Licht umwandelt. Über ein Luminometer wird nun der Lichtgehalt jeder einzelnen
Kultur bestimmt und über ein Rechnerprogramm ausgewertet.
Im Ergebnis wird die Wirkung eines Zytostatikum auf die Zellkultur als:
- stark sensitiv
- partiell sensitiv
- resistent
- definiert. Der behandelnde Onkologe erhält hierüber einen
Befundbericht.
Welche Zytostatika werden getestet?
Es hat sich bewährt, die Zytostatika zu testen, die nach der klinischen
Erfahrung bei dem jeweiligen Tumortyp am wahrscheinlichsten eine Wirksamkeit
zeigen. Insgesamt können acht einzelne Zytostatika oder auch bis zu acht
Zytostatikakombinationen getestet werden. Im Zweifel sind wir gerne bei der
Auswahl der zu testenden Zytostatika oder deren Kombinationen behilflich.
Was kostet der Test?
Der Test wird privat nach GOÄ abgerechnet. Die Kosten für den Test (8
Zytostatika) betrogen 1.260,41 Euro. Die Kosten werden in der Regel von den
Privatversicherungen übernommen.
Praktisches Vorgehen
Unser Labor sollte möglichst
mindestens 2 Werktage vor dem geplanten OP-Termin unterrichtet werden. Wir
senden dann das Versand- material (Kühlcontainer, Röhrchen mit Nährlösung,
Anweisung zum Umgang mit dem Material und ausgefüllten Postexpress-Schein)
direkt an die operierende Klinik oder an die gewünschte Adresse.
Das Tumormaterial wird ausschließlich in unserem Berliner Labor bearbeitet
und muss auch dorthin geschickt werden! Das Material muss das Labor unbedingt
binnen 24 Stunden postoperativ erreicht haben, da die Tumorzellen auch in der
Nährlösung nur begrenzt lebensfähig sind. Mit Postexpress erreicht uns das
Material am nächsten Morgen. Auf dem Postexpresschein muss Anlieferung vor 9.00
Uhr angekreuzt sein. Bitte beachten Sie, dass freitags kein Material abgeschickt
werden darf, da es uns erst samstags erreichen würde und dann das Labor nicht
besetzt ist.